Projektkurs auf Spurensuche in Kraków vom 29.Juni bis 3.Juli 

Obwohl es die Bahn wie gewohnt spannend machte, erreichten alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen des Projektkurses der Q1 von Frau Bieberstein und Herrn Kraegeloh am frühen Montagmorgen rechtzeitig den Düsseldorfer Flughafen für die Reise nach Kraków. Ein intensives Programm stand auf dem Plan, Höhepunkt und Abschluss des einjährigen Projektkurses “Spurensuche”, in dem sich die Schülerschaft der eigenen Familiengeschichte gewidmet hatten, mit dem Schwerpunkt der Jahre des Nationalsozialismus. 

Der Kurs hatte Recherchen betrieben, Stammbäume angelegt, Verwandte befragt, Archive durchforstet. Das südliche Polen mit der Metropole Kraków an der Weichsel war schließlich Ziel für Exkursionen, Vorträge und Führungen, die einen Eindruck vermittelten von dem reichen jüdischen Leben bis zum Einmarsch der Deutschen im September 1939 und den Verwerfungen und Katastrophen, die die deutsche Besatzung mit sich brachten. 

Unser Hotel war unmittelbar am alten jüdischen Viertel Kazimierz gelegen, das wir unter sachkundiger Führung erkundeten und dabei zwei Synagogen besichtigten. Ein anderes Ziel war die ehemalige Email-Fabrik des deutschen Unternehmers Oskar Schindler, bekannt durch den Spielfilm “Schindlers Liste” von Steven Spielberg, nach einer wahren Begebenheit: Schindler, eigentlich Nazi, entdeckt während des Krieges sein gutes Gewissen und rettet hunderten jüdischer Arbeiterinnen und Arbeiter das Leben. Die ehemalige Fabrik beherbergt auch das Museum “Kraków im Zweiten Weltkrieg”, das mit vielen Exponaten den Schrecken der deutschen Besatzung dokumentiert. 

Anknüpfend an den bekannten Spielberg-Film besichtigten wir auch das Gelände des deutschen Konzentrationslagers Plaszow, ein riesiges Areal, das durch Stelen und Info-Tafeln mittlerweile gut gekennzeichnet ist. Von dem Lager sind kaum noch Spuren erhalten, dafür haben die Deutschen gesorgt, als sie sich beim Herannahen der Roten Armee im Januar 1945 zurückzogen. Auch die Villa des KZ-Kommandanten Amon Göth, inzwischen in Privatbesitz und renoviert, lag am Wege. In den ersten drei Tagen machten uns Hitze und Schwüle zu schaffen, dennoch absolvierten wir ohne größere Probleme die oft weiten Strecken zu Fuß. 

Höhepunkt der Projektfahrt war sicherlich die Exkursion nach Oswiecim, besser bekannt als Auschwitz, dem Synonym für den wahnhaften deutschen Vernichtungswillen der europäischen Juden. Nach der Besichtigung des “Stammlagers” (“Auschwitz I”), ursprünglich eine polnische Artilleriekaserne, die von den Deutschen übernommen wurde zur Unterbringung polnischer Kriegsgefangener, erreichten wir per Bus das drei Kilometer entfernte “Auschwitz II”, Birkenau. Dies war das eigentliche Vernichtungslager mit dem ikonografischen Torgebäude und den Eisenbahnschienen mit der Rampe, an der die Verschleppten “selektiert “wurden – Tod durch das Gas oder Tod durch Arbeit. Weit über eine Million Menschen wurden hier von den Deutschen ermordet. Wenngleich wir einen nachhaltigen Eindruck erhielten von den Dimensionen des Lagerkomplexes, von dem insgesamt nur noch wenige Relikte erhalten sind, sahen wir uns doch mit der immer stärkeren touristischen Erschließung von Auschwitz konfrontiert: kaum Zeit zum Verweilen, enge Durchgänge, enge Treppen, viele Gruppen aus sehr vielen Ländern, die hier im Schnellverfahren durchgeschleust werden. 

Zu loben war die Führerin, die uns an zwei Tagen sachkundig begleitete. Zu loben sind alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Kurses, die vor Ort mit ausgewählten Vorträgen über verschiedene Themen informierten und sich jederzeit interessiert und angemessen verhielten. Zu loben ist die Kollegin Bieberstein, die einen Großteil der Organisation übernommen hatte und zudem Kraków wie ihre Westentasche kennt und – fließend Polnisch spricht, was mehrfach allen zugute kam. 

Neben den “schweren” historischen Themen stand auch Landeskunde auf dem Programm: das Kollegium Novum, Teil der ehrwürdigen Jagiellonen-Universität, zugleich Schauplatz der “Sonderaktion Krakau”, mit der das NS-Deutschland die polnische Intelligenz ausrotten wollte; der Wawel, das polnische Königsschloss; die Drachenhöhle, Teil der Krakauer Stadtgründungslegende; die Marienkirche; die Tuchhallen und nicht zuletzt der gemeinsame Besuch eines traditionellen Pieroggi-Restaurants machten den Besuch in der wunderschönen Stadt an der Weichsel für alle zu einem unvergesslichen Erlebnis. 

Wir danken der VR-Bank, der Sparkasse Neuss und der EVD Dormagen für großzügige Spenden, ohne die die Fahrt nicht möglich gewesen wäre. 

Lars Kraegeloh