Überzeugendes Experiment

Literaturkurs der Q2 adaptiert zeitgenössischen Roman für die Bühne

Der Beginn des Theaterstücks greift bekannte Bilder auf: Der personifizierte „Tod“ kommt unerwartet zu einem Menschen, um diesen „abzuholen“. Da das Stück in der Gegenwart spielt, klingelt der Tod an einer Wohnungstür. Dahinter trifft er auf einen jungen Mann, dem im Leben bisher vieles nicht gelungen ist. Aus den drei Minuten, die dem jungen Mann bis zum Sterben noch bleiben sollen, werden einige Tage, in denen sich sein Leben noch einmal verdichtet und intensiviert wie offenbar selten zuvor.

Der Tod tritt nicht als furchteinflößender Sensenmann auf, sondern einfühlsam, sympathisch und voller Neugierde auf das Leben. Wie ein besonders anhänglicher Freund weicht er dem jungen Mann nicht mehr von der Seite. Gemeinsam treffen sie ein letztes Mal auf Menschen, die dem jungen Mann wichtig sind. Die Beziehung zur Ex-Freundin Sophia lebt noch einmal auf. Die Mutter freut sich unbeschwert über den Besuch ihres Sohnes und geht mit den jungen Leuten auf Reisen. Vor allem jedoch kann der junge Mann endlich seine Tochter sehen, die ihm seelenverwandt zu sein scheint, zu der er aber jahrelang nur über Postkarten Kontakt halten konnte.

Das Theaterstück basiert auf dem Roman „Sophia, der Tod und ich“ von Thees Uhlmann aus dem Jahr 2015. Michelle Kiefer, die Leiterin des Literaturkurses, hatte den Schülerinnen und Schülern diesen Stoff vorgeschlagen. Der Kurs erarbeitete ein Handlungsgerüst und legte die Rollen fest. Michelle Kiefer berichtet begeistert, wie intensiv sich die Schauspielerinnen und Schauspieler mit ihren Rollen auseinandergesetzt haben, wie sie z.B. so lange am Text feilten, bis jedes Wort passte.

Das Stück steckt voller witziger Dialoge und schneller Szenenwechsel und verliert dennoch die ernsthafte und existentielle Frage nach der Rolle des Todes im Leben nicht aus dem Auge. Selbstverständlich stellt sich der junge Mann im Angesicht des Todes viele Fragen zu seinem Leben. Diese gedankliche Ebene wird sehr passend durch die Rolle des „Gedanken-Ich“ vertreten, das die Handlung kommentiert und zusammenhält.

In den zentralen Rollen überzeugten Justin Zeller als „Ich“, Ines Böhm als der Tod („Morten de Sarg“) und Katja Peperle als Sophia. Auch alle anderen Parts waren überzeugend besetzt; offenbar hatte jeder „seine“ Rolle im Stück gefunden. Hervorzuheben ist auch die Kulisse, die mit vermeintlich einfachen Mitteln verblüffende Effekte erzielte. Zentrales Element war eine veritable Tür samt Zarge, die sehr geschickt in die Handlung eingebaut wurde. Während der gemeinsamen Zug- und Autofahrten zog auf einer Leinwand im Hintergrund eine Landschaft vorbei – die Illusion war perfekt.

Das Ende des Stücks ist unausweichlich. Unpathetisch verlassen der junge Mann und der Tod die Bühne, gefolgt vom Gedanken-Ich. Kein Stück mit Happy-End, aber dennoch kein trauriges Stück, sondern eines, das die Zuschauer zum Lachen und zum Nachdenken gebracht hat. Und das, meint Justin Zeller im Gespräch, sei das Ziel der Aufführung gewesen.

SLo (Text) / Bz und Zt (Fotos)

Besetzung „Sophia, der Tod und ich“ am 4. und 5. April 2019 in der Aula des BVA

Justin Zeller (Ich) * Ines Böhm (Morten de Sarg) * Katja Peperle (Sophia) * Yasemin Fernandez Acet (Gedanken-Ich) * Oliver Brehmer (Johnny, der Barmann) * Thorben Loddenkemper (Sophias Verehrer) * Damiana Chaves Fuxen (Katharina) * Anastasia Weigel (Sophias Mutter) * Selina Kiel (Johnny, die Tochter) * Jennifer Pinske (Mutter) * Jeremy Leushake (der andere Tod) * Maja Meißner (die Nachbarin) * Jessica Lerch (Parkplatzkind Hannah) * Elisa Koc (Hannahs Mutter) * Lars Fuxen (Hannahs Vater und Johnnys Opa) * Julia Loibl (die Motelbesitzerin) * Finn Radoy (der Motelbesitzer) * Reyhan Ciftci (Johnnys Oma)

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